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Digitale Philosophie

Beherrschen wir noch die Technologie oder beherrscht sie längst uns? Diese und weitere durchaus philosophische Fragen hat das Vodafone Institut mit Experten beim Symposium „The Human and the Machine“ diskutiert. Warum vor allem Bestseller-Autor Andrew Keen viele Entwicklungen kritisch sieht und wer Werbung für gelegentliches „digital detox“ gemacht hat, liest Du hier.

Platon, Aristoteles oder Kant hätten an der Frage, wer wen beherrscht, sicherlich auch ihre helle Freude gehabt: Beim Symposium „The Human and the Machine“, das von Networking Nations, dem Marktforschungsunternehmen Ipsos und dem Vodafone Institut organisiert worden ist, standen die Herausforderungen der digitalen Zukunft im Mittelpunkt der Diskussion. Knapp 100 Besucher lauschten vormittags in der Kunztschule und am Nachmittag in Vodafones Hauptstadtbüro den Experten und ihrer digtalen Philosophie.

Fehlendes Vertrauen

Bestseller-Autor Andrew Keen („The Internet is not the Answer“) wies darauf hin, dass viele Menschen kein Vertrauen in digitale und politische Institutionen hätten. Dies sei ein fataler Zustand. Viele würden Technologie als Feind sehen. Eine Kernfrage sei: „Wie können wir unsere Menschlichkeit behalten?“ Keen, der in Kürze sein neues Buch „How to fix the Future“ veröffentlichen wird, in dem er Antworten auf die großen Herausforderungen der Digitalisierung gibt, kommt zu dem Schluss, „dass wir die Technologie beherrschen müssen – und nicht sie uns.“

Werbung für „digital detox“

Zuvor hatte Pippa Bailey, Innovations-Chefin beim Marktforschungsunternehmen Ipsos, die Ergebnisse einer europaweiten Ipsos-Umfrage vorgestellt. Demnach geben 63 Prozent der Befragten an, dass sie zu viel Zeit online verbringen. Baily warb in diesem Zusammenhang für ein gelegentliches „digital detox“, also einer „Entgiftung“. Zugleich sprach sie über grundlegend veränderte Voraussetzungen, die sich im Zusammenhang mit der Digitalisierung herauskristallisierten: „Die digitale Vernetzung wird ein Menschenrecht werden, aber für Privatheit wird man zahlen müssen.“

Paradox

Roly Keating, CEO der British Library, verwies auf ein vermeintliches Paradox seiner Arbeit: „Wenn historische Schriften das Zeitalter der Digitalisierung überleben wollen, müssen sie selbst digitalisiert werden.“ Dadurch sei es beispielsweise möglich, auf bisher unentdeckte Muster in der Geschichte zu stoßen.

Fazit

Der Tenor der Experten-Diskussionen war grundsätzlich optimistisch in Bezug auf die digitale Zukunft. Doch alle Beteiligten waren sich einig, dass diese mit gewaltigen Herausforderungen einhergeht. Mensch und Maschine müssen sich noch annähern – zum gegenseitigen Vorteil. Oder wie Julia Hobsbawn, Gründerin von Networking Nations, zusammenfasste: „Technologie hilft uns, Dinge zu tun, die Bewusstsein und Körper nicht mehr selbstständig bewerkstelligen könnten.“

Bilder: Vodafone Institut